Ladengeschäfte
Welche Warenwirtschaftsfunktionen brauchen kleine Händler?
Welche Warenwirtschaftsfunktionen kleine Händler wirklich brauchen: JTL-Wawi, Billbee und weclapp im Funktions- und Kostenvergleich für Ladengeschäfte.
Das Wichtigste auf einen Blick
- Kleine Händler brauchen zuerst Artikelstamm, Lagerbestand, Auftragsabwicklung und eine belegte Kassenanbindung, nicht den größten Funktionsumfang.
- JTL-Wawi ist laut Preisseite in der Edition Start dauerhaft kostenlos nutzbar, Billbee startet bei 9 Euro netto im Monat, weclapp ERP Handel liegt bei 163 oder 179 Euro netto pro Nutzer und Monat.
- Billbee verarbeitet vor allem Online-Aufträge und dokumentiert auf der Preisseite keine eigene Kassenanbindung, während JTL und weclapp ein Kassensystem anbinden.
- Entscheidend sind die eigene Vertriebsform, die Zahl der Kassen und Nutzer sowie die Frage, wie viele Bestellungen monatlich außerhalb des eigenen Shops anfallen.
Kernfunktionen: Was ein kleines Handelsgeschäft wirklich braucht
Wer Warenwirtschaft für kleine Händler auswählt, sollte die eigene Vertriebsform zuerst festlegen. Ein reiner Onlineshop braucht Artikelverwaltung, Lagerbestand und Auftragsabwicklung. Ein Ladengeschäft braucht zusätzlich eine Kasse, die Bestände und Artikel zentral mitführt. Ein Hybridbetrieb braucht beides.
JTL-Wawi verwaltet laut Anbieter Kunden- und Artikelstammdaten, Varianten, Stücklisten, MHD, Chargen und Seriennummern. Dazu kommen Lieferantenverwaltung, Bestellvorschläge und Auftragsverwaltung. Die Mehrlagerverwaltung erlaubt Bestände pro Lager, Umlagerungen und FBA-Lager.
Billbee ist anders aufgebaut. Die Preisseite bewirbt Billbee in vollem Umfang mit allen Funktionen und Schnittstellen, unbegrenzter Nutzerzahl und monatlicher Kündbarkeit. Im Growth-Paket nennt der Anbieter VentoryOne für Lager- und Bestandsverwaltung ohne Aufpreis als zusätzliches Tool. Eine vollwertige Kassenfunktion für Ladengeschäfte geht aus dieser Quelle aber nicht hervor.
Weclapp ERP Handel bündelt in einem Paket Warenwirtschaft, Disposition und Einkauf, Lagerverwaltung inklusive mobiler Lager-App, Serien- und Chargennummern, Produktion sowie Anbindungen an Shops und Marktplätze. Die mobile Lager-App unterstützt laut Anbieter Wareneingänge, Kommissionierung, Umlagerungen, Retouren und Inventur per Barcode. Ein reiner Onlineshop kann den Produktionsumfang schlicht ignorieren.
Für die Funktionsauswahl gilt: Jede Funktion, die kein regelmäßiger Arbeitsvorgang ist, kostet Einführungszeit und Pflege. Prüfen Sie zuerst, welche drei Vorgänge täglich anfallen: Wareneingang, Verkauf, Bestandsabgleich. Danach genügt die kleinste Edition, die diese Vorgänge ohne Doppelerfassung abbildet.
Funktionstabelle nach Händlertyp
| Anforderung | Reiner Onlinehandel | Stationärer Laden | Hybridbetrieb |
|---|---|---|---|
| Artikelverwaltung | JTL, Billbee, weclapp | JTL, weclapp | JTL, weclapp |
| Varianten | JTL, weclapp | JTL, weclapp | JTL, weclapp |
| Lagerbestand | JTL, Billbee über VentoryOne im Growth-Paket, weclapp | JTL, weclapp | JTL, weclapp |
| Umlagerungen | JTL, weclapp | JTL, weclapp | JTL, weclapp |
| Kassenanbindung | nicht erforderlich | JTL (29 Euro pro Kasse und Monat) oder weclapp POS | JTL oder weclapp POS |
| Marktplatz- und Shop-Anbindung | JTL, Billbee, weclapp | optional | JTL, weclapp |
| Monatliche Grundkosten netto | JTL ab 0 Euro, Billbee ab 9 Euro, weclapp ab 163 Euro (jährliche Abrechnung) oder 179 Euro (monatliche Abrechnung) pro Nutzer | JTL ab 0 Euro plus Kassenlizenz, weclapp ab 163 oder 179 Euro pro Nutzer plus POS-Add-on | Kombination aus Software, Kassenlizenz und Auftragspaketen |
Die Tabelle zeigt die dokumentierten Funktionen der Anbieter. Die Preise sind die am 13. September 2026 erfassten Nettopreise zuzüglich Mehrwertsteuer, jeweils pro Monat in der angegebenen Einheit. Auch die JTL-AGB nennen Preise zuzüglich gesetzlicher Umsatzsteuer.
Kassenschnittstellen, Preismodelle und Einführung
Kasse: JTL-POS und weclapp POS
JTL-POS ist eine Android-App, die laut Anbieter dauerhaft kostenlos im Google Play Store herunterladbar ist. Der Download ist nicht die Kassenlizenz. Jede eingesetzte Kasse erfordert laut JTL-Preisseite eine Lizenz von 29 Euro pro Monat, unabhängig von der Edition. Die Zahl der Anbindungen unterscheidet sich: In JTL Start ist sie auf ein Kassengerät begrenzt, mit JTL Advanced auf drei, mit JTL Pro auf fünf und mit JTL Enterprise unbegrenzt.
Die App arbeitet laut Anbieter offlinefähig und synchronisiert Verkäufe später, speichert sie also lokal und gleicht sie bei bestehender Verbindung ab. JTL-POS ist nach KassenSichV und GoBD konform und TSE-ready. Das ist eine Herstellerangabe, keine allgemeine Rechtsberatung. Wer seine Kasse in Betrieb nimmt, braucht zusätzlich die TSE-Ausstattung; JTL bietet dafür einen Einrichtungsservice an.
Weclapp bewirbt POS als vollintegrierte Kassensoftware, die ohne Installation auf webfähigen Endgeräten läuft und automatisch mit Artikeln, Lagern und Beständen synchronisiert.
Die Produktseite nennt ab 19 Euro pro Monat und Nutzer, die Preisseite führt weclapp POS als Add-on mit 55 Euro monatlich. Die FAQ auf derselben Seite bestätigt einen Bezug ab 55 Euro im Monat pro Nutzer. Das Add-on wird dort zusammen mit den Paketen ERP Dienstleistung oder ERP Handel angeboten.
Diese Preisangaben sind am 13. September 2026 erfasst und widersprechen sich. Lassen Sie sich für Ihr Vorhaben ein konkretes Angebot mit Leistungsumfang geben, bevor Sie mit einem der beiden Werte rechnen.
Kostenmodelle unterscheiden sich in der Abrechnungslogik
JTL-Wawi ist laut Anbieter als lokale Version kostenlos und in der Edition Start dauerhaft gratis nutzbar, mit unbegrenzten Nutzern. Hinzu kommen bei Bedarf Auftragspakete für Bestellungen über Shopify, Shopware 6 oder Marktplätze. Aufträge aus dem JTL-Shop oder der JTL-POS sind kostenlos. Die Kosten hängen also davon ab, über welche Kanäle verkauft wird. Cloud-Hosting nennt JTL ab 49,99 Euro pro Monat.
Billbee berechnet 9 Euro netto im Monat als Mindestgebühr, auch wenn null Aufträge importiert werden. Die Abrechnung richtet sich nach der Zahl der angelegten oder importierten Bestellungen. Erstattungen, Stornorechnungen und Gutschriften zählen mit; entscheidend ist das Import- oder Erstellungsdatum in Billbee. Der Anbieter nennt unbegrenzte Nutzer und monatliche Kündbarkeit.
Weclapp rechnet pro Nutzer und Monat ab. ERP Starter kostet laut Preisseite 39 Euro netto pro Nutzer, ist aber kein vollständiges Warenwirtschaftspaket. ERP Handel liegt bei jährlicher Abrechnung bei 163 Euro netto pro Nutzer, bei monatlicher Abrechnung bei 179 Euro netto pro Nutzer. Die Preisseite nennt eine Testphase von 30 Tagen, die automatisch ausläuft.
Monatskosten bei drei Nutzern
Grundlage sind die am 13. September 2026 erfassten Nettopreise, drei Nutzer und eine Kasse, ohne Mehrwertsteuer und Zusatzmodule.
- JTL Start mit drei Nutzern und einer Kassenanbindung: 0 Euro Grundpreis plus 29 Euro Kassenlizenz ergibt 29 Euro netto pro Monat, ohne berücksichtigte Auftragspakete für Fremdkanäle.
- Billbee mit drei Nutzern: mindestens 9 Euro netto pro Monat. Erst nach drei aufeinanderfolgenden Monaten mit jeweils mehr als 200 abgerechneten Bestellungen erfolgt die Hochstufung in das Growth-Paket, das dann dauerhaft bestehen bleibt.
- weclapp ERP Handel mit drei Nutzern bei jährlicher Abrechnung: 163 Euro mal 3 ergibt 489 Euro netto pro Monat. Bei monatlicher Abrechnung: 179 Euro mal 3 ergibt 537 Euro netto pro Monat, jeweils ohne POS-Add-on.
Das Beispiel zeigt den Hauptunterschied: Billbee skaliert über die Bestellmenge, weclapp über die Nutzerzahl, JTL kombiniert einen kostenlosen oder günstigen Grundtarif mit Kassen- und Auftragspaketen. Rechnen Sie Ihr eigenes Szenario mit den tatsächlichen Bestellzahlen und Nutzern nach.
Einführung und Datenübernahme
JTL dokumentiert für die Datenmigration den CSV-Import über das Werkzeug JTL-Ameise für Artikel, Kunden und Lieferanten. Alternativ nennt der Anbieter einen Migrationsservice, der die Anforderungen analysiert und eine individuelle Importlösung erstellt. Wer selbst importiert, sollte vor dem ersten Schreibvorgang eine Sicherung der Zieldaten anlegen.
Weclapp bietet Support per E-Mail, Telefon und Tickets sowie ein Onboarding mit Beratung. Ein Professional-Services-Team unterstützt laut Anbieter bei der Implementierung. Ein Datenimport-Wizard ist in der Funktionsliste des Pakets enthalten. Konkrete Kosten für Einrichtung und Consulting sind in den Preisquellen nicht pauschal angegeben.
Billbee setzt auf Tutorials, ein Handbuch und ein Netzwerk zertifizierter Partner für Einrichtung und Optimierung. Der Anbieter erklärt, dass sich das System ohne technisches Vorwissen einrichten lässt. Planen Sie für den Umstieg auf jeden Fall einen Testimport und einen Probelauf ein, bevor Sie den Echtbetrieb starten.
Entscheidungsraster für drei Händlerprofile
Das Raster ordnet jedem Händlertyp die passenden Funktionen zu. Es ist eine Orientierung, keine Rechtsvorgabe.
- Reiner Onlinehandel: Artikelstamm, Shop- und Marktplatzanbindung, Lagerbestand und Auftragsabwicklung. Eine Kasse ist nicht nötig. Billbee passt, wenn nur Aufträge online anfallen und die Bestellmenge kalkulierbar bleibt. JTL Start passt, wenn zusätzlich ein eigener Shop oder Marktplätze außerhalb der JTL-Welt bedient werden.
- Stationärer Einzelhandel: Artikelstamm, Kassenanbindung, Bestandsführung und Belegwesen. Hier zählen JTL mit POS oder weclapp mit POS. Prüfen Sie vorher die Zahl der Kassen, weil jede JTL-Kasse einzeln lizenziert wird und die Anbindungen je Edition begrenzt sind.
- Hybridbetrieb: Artikelstamm, Kasse, Lager, Shop- und Marktplatzanbindung aus einer Datenbasis. JTL-Wawi und weclapp ERP Handel decken diesen Fall laut Funktionslisten ab. Rechnen Sie bei JTL die Auftragspakete für Fremdkanäle und bei weclapp die Nutzerlizenzen plus POS-Add-on ein.
Prüfen Sie in dieser Reihenfolge: Welche Verkaufskanäle nutze ich heute und in zwölf Monaten? Wie viele Kassen brauche ich? Wie viele Nutzer arbeiten gleichzeitig im System? Welche Funktionen würden heute doppelte Erfassung vermeiden? Erst danach lohnt der Blick auf zusätzliche Module.
Häufige Fragen
Ist JTL-Wawi für kleine Händler kostenlos?
Laut JTL-Preisseite ist die lokale Version kostenlos und die Edition Start dauerhaft gratis nutzbar, mit unbegrenzten Nutzern. Für Kassenanbindungen fallen 29 Euro pro Monat und Kasse an. Für Bestellungen über Shopify, Shopware 6 oder Marktplätze kommen Auftragspakete hinzu. Das Hosting in der JTL-Wawi Cloud beginnt bei 49,99 Euro pro Monat.
Zählt Billbee Erstattungen als Bestellungen?
Ja. Billbee definiert Bestellungen als alle angelegten oder importierten Bestellungen sowie Erstattungen, Stornorechnungen und Gutschriften. Maßgeblich ist das Import- oder Erstellungsdatum in Billbee. Die Mindestgebühr von 9 Euro netto pro Monat fällt auch bei null Aufträgen an.
Was kostet weclapp POS?
Die Preisangaben zu weclapp POS widersprechen sich. Die Produktseite nennt ab 19 Euro pro Monat und Nutzer, die Preisseite führt das Add-on mit 55 Euro monatlich. Die FAQ auf derselben Seite bestätigt einen Bezug ab 55 Euro im Monat pro Nutzer. Diese Werte wurden am 13. September 2026 erfasst. Lassen Sie sich Leistungsumfang und Abrechnungseinheit schriftlich bestätigen.
In diesem Leitfaden
- Warenwirtschaft und Kasse bei JTL und weclapp verbindenSo verbinden Sie JTL-POS mit JTL-Wawi und weclapp POS mit dem weclapp ERP: dokumentierte Voraussetzungen, Ports und Grenzen der Kassenanbindung.
- Warenwirtschaft einführen: Datenübernahme und Probelauf planenWarenwirtschaft einführen: Datenübernahme und Probelauf planen. Dokumentierte Importwege bei JTL-Ameise, weclapp und Billbee plus Fünf-Meilenstein-Plan.
- Kostenmodelle von JTL, Billbee und weclapp für Händler vergleichenWarenwirtschaftskosten vergleichen: JTL, Billbee und weclapp mit Nettopreisen, Abrechnungsbedingungen und Modellrechnung für 300 Vorgänge und zwei Nutzer.
- Welche Aufgaben erledigen JTL und weclapp mobil?JTL-Wawi App, JTL-WMS Mobile und weclapp: Welche mobilen Warenwirtschafts-Aufgaben dokumentiert sind und welche Voraussetzungen Sie einplanen müssen.